Last Frieden gedeihen
2023 - Last Frieden gedeihen - historische Obstbäume für gemeinsames Europa der Vielfalt
Im Jahr 2023 wurde das erste kleine Projekt "Last Frieden gedeihen - historische Obstbäume für gemeinsames Europa der Vielfalt" mit dem Schwerpunkt Ukraine umgesetzt. Gemeinsam mit Partnern aus Polen und Tschechien.
Es wurden alte Obstbaum-Sorten als Hochstamm aus der Ukraine bei uns gepflanzt.
Im Sinne Martin Luthers: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“.
Durch die Bäume die wie aus der Ukraine erhalten und die dann hier ebenfalls als wachsendes "Symbol" gepflanzt werden, wächst unser lokales öffentlich zugängliches Streuobstwiesenprojekt weiter.
Unser Verein führt seit fast 10 Jahren zu unterschiedlichen Themen Projekte mit Partnern in der Ukraine durch. Unter anderem gibt es einen Austausch zu den Themen Erneuerbare Energien und Permakultur sowie traditionellen Obstbaumsorten.
Als im vergangenen Jahr der (erneute) brutale Einmarsch Russlands in die Ukraine erfolgte, wurde die Idee des Projektes "Last Frieden gedeihen - historische Obstbäume für gemeinsames Europa der Vielfalt" entwickelt. Auf der Rückfahrt einer der vielen privat organisierten Hilfsfahrten in die Ukraine (das Gebiet um Dnipro) wurden neben schutzsuchenden Menschen auch typische ukrainische Obstbäume mit in die Lausitz gebracht und hier gepflanzt.
In Dnipro gab es auch einen fachlichen Austausch zu Obstbäumen und Bäumen in der Stadt generell. Dass hier eingereichte Projekt war unser Testprojekt, aus dem wir viel Wissen und natürlich bereits ein kleines Netzwerk sammeln/bilden konnten. Daraus hat sich das Folgeprojekt entwickelt, was mit dem Schwerpunkt Ukraine gemeinsam mit Partnern aus Polen und Tschechien umgesetzt werden soll.
Es werden künftig nicht nur alte Obstbaum-Sorten als Hochstamm aus der Ukraine hier in der Lausitz, sondern auch Bäume aus der Lausitz/Deutschland, Schlesien/Polen und Mähren/Tschechien in der Ukraine an dort unterschiedlichen Standorten gepflanzt und von den jeweiligen Pflanz-Standorten in der Ukraine wiederum typische regionale alte Obstbaumsorten als Hochstamm in den 3 Partner-Standorten dauerhaft verwurzelt.
Die Lausitz steht als slawische Region mitten in Deutschland gemeinsam mit den Polen und Tschechen ethnisch sehr nah, was die Verbundenheit des Projekt noch mehr hervorhebt.
Im Sinne Martin Luthers: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“.
Für die Bäume wird es Patenschaften vor Ort (Kinder, Jugendliche, Erwachsene) geben, die "ihr" Bäumchen des Friedens und Miteinanders hegen, pflegen und schützen werden. Die den Baum aufwachsen sehen und letztendlich auch "ihre" Früchte ernten werden.
Die gemachten guten Erfahrungen des fachlichen Austauschs fließen ebenfalls in das Folgeprojekt mit ein.
Denn es hat sich (leider) gezeigt, dass in den Jahrzehnten der landwirtschaftlichen Planwirtschaft der ehemaligen Sowjetrepublik viel Wissen verloren gegangen ist und vermutlich Aufgrund bisheriger anderer wichtiger Themen der Ukrainer das Wissen zur Bedeutung von Obstbäumen, Arten und Anbau oft noch nicht wieder reaktiviert wurde.
Artikel der Sächsischen Zeitung vom 11.10.2024
Bäume statt Bomben: Kamenzer pflanzt Obstbäume in der Ukraine
Der Verein „Ostsachsen wechselt“ aus Kamenz engagiert sich für die Ukraine. Jetzt bringt der Vorsitzende Ronny Böhme alte Obstbaumsorten in das vom Krieg betroffene Land. Was ihn dazu motiviert.
Olivia Daume11.10.2024, 12:16 Uhr
Kamenz. Fernab der Trümmer und Raketeneinschläge sollen sie wachsen, gedeihen und Hoffnung spenden: Obstbäume aus der Lausitz. Bereits seit über einem Jahrzehnt ist Ronny Böhme mit der Ukraine verbunden. Der 48-Jährige ist Techniker für erneuerbare Energien und leitet als Vorsitzender des Vereins „Ostsachsen wechselt“ ein Hilfsprojekt, das Spenden und Hilfsgüter in die Ukraine schickt – und auch 120 Jahre alte Obstbaumsorten aus der Lausitz.
15 Lausitzer Obstbäume sollen in der Ukraine gepflanzt werden
„Mir ist wichtig, dass die Ukrainer durchhalten“, sagt Böhme, während er sich auf seinen zehntägigen Trip vorbereitet. Ursprünglich gegründet, um den Wechsel zu Ökostrom zu fördern, konzentrierte sich der Verein des 48-Jährigen zunächst auf Stromanbieterwechsel-Partys und Elektromobilität. Doch Böhmes persönlicher Einsatz für die Ukraine hat die Ausrichtung maßgeblich verändert. Nachdem er 2014 den politischen Umbruch in der Ukraine und den Krieg im Osten des Landes miterlebt hatte, war für ihn klar: Er muss helfen. So begann er, Spenden zu sammeln – und das tut er bis heute.
Böhmes aktuelles Herzensprojekt: Die Pflanzung von traditionellen Obstbäumen aus der Lausitz in der Ukraine. Am 11. Oktober 2024 bringt er erneut junge Hochstämme alter Sorten wie den Lausitzer Nelkenapfel und die Herzkirsche in das Land. Diese Sorten stammen aus dem Jahr 1900 und haben historische Bedeutung. Je fünf Bäume mit einer Höhe von 2,20 Metern bringt er an drei verschiedene Standorte. Die Kosten von 700 Euro allein für die Bäume stemmt er größtenteils selbst, unterstützt vom Landratsamt Bautzen.
Für den Vereinsvorsitzenden haben die Bäume eine tiefere Symbolik: „Es ist ein Zeichen der Hoffnung, wenn die Menschen sehen, wie die Bäume vor Ort gedeihen.“ Auch das Zitat „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, welches einst Martin Luther gesagt haben soll, ist für ihn ein Leitmotiv. Letztes Jahr hat er bereits an drei Standorten in der Ukraine Bäume gepflanzt.
Mit dem Elektroauto über 3.000 Kilometer in die Ukraine
Die nun anstehende Reise führt ihn in die Regionen um Kiew, Charkiw und Winnyzja. Bei seinem Besuch im letzten Jahr hat er bereits das Ausmaß des Krieges gesehen – bruchstückhaft. Besonders die ländlichen Gebiete liegen ihm am Herzen. „An die wird kaum gedacht“, sagt er. Daher sollen die Obstbäume auch in umliegende Dörfer gebracht und gemeinsam mit ortsansässigen Schulen eingepflanzt werden.
Die Ukraine sei für ihn ein wichtiger Teil Europas: „Ich würde sie sofort in die Nato aufnehmen.“ Dieses Engagement zeigt er nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Ronny Böhme nutzt seinen privaten Urlaub, um die über 3.000 Kilometer in die Ukraine zu fahren. Da noch Platz im Auto ist, transportiert er nicht nur 15 Bäume, sondern auch dringend benötigte Hilfsgüter: Decken, Medikamente, Lebensmittel und Spielzeug, gesammelt von Unterstützern aus Wilthen, Sedlitz und Bischofswerda.
Es ist ein Zeichen der Hoffnung, wenn die Menschen sehen, wie die Bäume vor Ort gedeihen.
Ronny Böhme
Vorsitzender des Vereins "Ostsachsen wechselt"
Der Verein „Ostsachsen wechselt“ wurde in diesem Jahr für sein Projekt für den Bürgerpreis nominiert, gewonnen hat er ihn jedoch nicht. Trotz aller Unsicherheiten – vor allem der Sorge, dass die Ladesäulen für das Elektroauto, für das er sich bewusst entschieden hat, bei Kälte in der Ukraine nicht funktionieren könnten – hält Ronny Böhme an seiner Mission fest. Am 21. Oktober möchte er wieder zurück sein, beladen mit Eindrücken und vielleicht auch ein wenig Zuversicht, dass sein Beitrag etwas bewirkt.
SZ