Wirtschaft fordert mehr Kohleverstromung
Die Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat scheinbar zu einem Umdenken in der Energiepolitik geführt und der deutsche Atomausstieg wurde zum zweiten Mal beschlossen. Die sofortige Abschaltung von acht Kraftwerken und das absehbare Ende der anderen, hat die Frage aufgeworfen, wie die Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann. Schon kurz nach der Verkündung des zweiten Atomausstiegs wurde in den Regierungen, in der Wirtschaft und an der Börse darüber debattiert, inwieweit die klimaschädliche Kohleverstromung gefördert werden soll. Am 1. September hat die IHK Cottbus gemeinsam mit fünf weiteren Industrie- und Handelskammern eine Resolution verabschiedet, in der sie einen Ausbau der Braunkohlenförderung fordern. Ihre Hauptforderungen sind, dass sich Politik und Wirtschaft in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt sich ganz offen zur Braunkohlenverstromung bekennen und die CCS-Technologie massiv fördern.
CCS-Technologie als Klimaschutz?
Natürlich sind sich die Autoren bewusst, dass die Braunkohlenverstromung extrem klimaschädlich ist, deshalb fordern sie gerade die Förderung der CCS-Technologie, weil damit Kohlendioxid abgeschieden und gespeichert werden könnte. Es soll eine Zukunftstechnologie sein, aber in Wirklichkeit ist es eine zu spät gekommene Technologie, deren Wirksamkeit zweifelhaft ist. Nach Schätzungen wird diese Technologie erst ab dem Jahr 2030 für Großkraftwerke zur Verfügung stehen, die wirtschaftliche Rentabilität wird erst für die zweite Hälfte des Jahrhunderts erwartet. Es wird außerdem davon ausgegangen, dass selbst dann für 40-70% der Emissionen im Stromsektor eine CO2-Abscheidung nicht möglich ist.
CCS bringt Erhöhung des Strompreises
Braunkohlenverstromung mit CCS-Technologie soll preiswert sein. Aber ohne Manipulationen auf den Energiemärkten wird dies kaum möglich sein. Erfahrungen aus den USA belegen, dass sich die Kraftwerkskosten durch die Installation der CCS-Technologie fast verdoppeln, was zu einer Erhöhung der Strompreise um 21-91% führt. Ähnliche Preisentwicklungen sind auch für Deutschland zu erwarten. Wie aber am 30. Juni bei Dow Jones Newswires zu lesen war, stellt die Regierung Merkel eine Zulage in Höhe von 15% für den Bau von Kohlekraftwerken zur Verfügung.
Ein anderer Faktor, der bei der Preisbildung ausgeblendet wird, sind die staatlichen Subventionen und Privilegien. Von den Atomkraftwerken kennen wir es bereits; sie sind von der Haftpflichtversicherung befreit, weil der anzunehmende Schaden im Schadensfall so beträchtlich ist, dass laut Berechnungen der Versicherungswirtschaft die Kosten für die Haftpflichtversicherung so hoch wären, das die Kilowattstunde über 3 Euro kosten würde. Im Schadensfall bezahlt also die Allgemeinheit. Auch bei der CCS-Technologie ist die Frage der Haftung für Schäden noch ungeklärt. Der internationale Trend geht aber dahin, dass auch hier die Allgemeinheit für die Schäden eintreten soll. Würden die Energiekonzerne die Kosten für das Schadensrisiko selber tragen müssen, würde sich das auch sehr deutlich im Strompreis widerspiegeln. Von kostengünstigem Strom kann dann jedenfalls auch keine Rede mehr sein.
Erneuerbare Energien werden weniger gefördert
Die IHKn fordern natürlich auch, dass die Erneuerbaren Energien verstärkt gefördert werden sollen. Aber in Anbetracht der Fakten wird diese Forderung nur der Form wegen gestellt. Wer die CCS-Technologie vorantreiben will, die erst in einigen Jahrzehnten einsatzbereit ist und dann immer noch in vollem Umfang risikobehaftet ist, will sich für diese und noch längere Zeit auf die Braunkohlenverstromung festlegen. Notwendige Gelder zur Förderung Erneuerbarer Energien stünden nicht mehr zu Verfügung. Auch hierfür lassen sich aus verschiedenen Ländern die Belege finden, denn überall, wo bisher intensiv an der CCS-Technologie geforscht wird, passiert es auf Kosten der Erneuerbaren Energien.
Die Forderung an die Politik kann in Anbetracht der vorliegenden Informationen nicht lauten, die Braunkohleverstromung müsse auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten unterstützt werden. Die Zukunft liegt ganz klar bei den Erneuerbaren Energien und für deren Förderung müssen alle möglichen Ressourcen erschlossen und genutzt werden.

